der blinde Fleck

Immer wieder lesen und hören wir, wie wichtig und einflussreich positives Denken auf unser Leben ist; „Where focus goes, energy flows“. Das Gesetzt der Resonanz, über welches ich auch schon einige Male geschrieben habe, ist in den letzten Jahren wieder zu Leben erwacht, hat an Aufmerksamkeit gewonnen und unzählige Bücher und Ratgeber mit Tipps und Tricks zur Anwendung wurden veröffentlicht. Dankbarkeitslisten, den Fokus auf das Positive richten, das Leben im eigenen Bewusstsein erschaffen, dass man sich wünscht – klingt wundervoll und ist auch tatsächlich möglich; häufig wird dabei aber ein ganz wesentlicher Punkt aus den Augen gelassen.

Vielleicht hast du auch schon bemerkt, dass ein Teil von dir nicht glaubt, dass du deine Zukunft mit deinen Gedanken beeinflussen kannst. Dass ein Teil von dir die Dinge auf deiner Dankbarkeitsliste ablehnt, damit nicht einverstanden ist und dir zuflüstert „Warum lügst du dich an?“.
Vielleicht arbeitest du schon seit einiger Zeit an deinem Mindset und fällst trotzdem immer wieder in den Zustand von „Low Energy“. Du fragst dich, was du falsch machst, weshalb du nicht vorankommst, obwohl du dich so sehr mit dir und deinem Leben auseinandersetzt. Sind es die Tools, die nicht funktionieren oder ist es ein Anwendungsfehler? Ich denke nicht; die Tools bewirken Wunder, wenn du weisst, weshalb du sie nutzt. Wenn du es aber nicht weisst, so wird jedes Tool zu einer weiteren Strategie, etwas, das du nicht sehen oder fühlen willst, zu unterdrücken.
Jedes Tool und jede Strategie kann für oder gegen dich verwendet werden; die Frage die du dir stellen solltest ist, ob du sie nutzt, um dich von deinen Selbstzweifeln und Ängsten abzulenken oder nicht. Was fühlst du tief in dir, in deinem innersten Kern? Liebst du dich? Mit all deinen Fehlern?
Nur ein Mensch, der tief im Innern mit Zweifeln, Ängsten und Sorgen kämpft, muss sich bewusst „anstrengen“ um positiv zu Denken und nicht immer wieder niedrig zu schwingen. Nur ein Mensch, der ständig negative Gedanken produziert, muss diese positiv unterbrechen.

Häufig versuchen wir mit einem positiven Gedanken einen negativen Gedanken zu verändern; aber ist das langfristig gesehen transformierend? Funktioniert dies auf Dauer? Vielleicht wäre es sinnvoller, direkt mit dem Nistplatz deiner negativen Gedanken Kontakt aufzunehmen.
Es geht nicht um die Frage, wie du deinen Zustand verändern kannst, sondern was in dir deinen aktuellen Zustand produziert. Du fühlst dich nicht gut? Dann stell dir die Frage, was diesen aktuellen Zustand am Leben hält, was diesen Zustand nährt.

Ein positives Mindset ist wichtig und kann grosses bewirken. Wenn es aber lediglich zur Überlagerung und Unterdrückung deiner Schattenwelt dient, dann wird es zu einer Waffe, die du gegen dich selbst richtest.
Ein positives Mindset ist nicht immer auch wirklich eines. Oft benützen wir es, um uns etwas Unschönes, schön zu reden. Es ist für die meisten von uns eine Möglichkeit, der ungeliebten Realität zu entkommen und sie mit Glitzer zu bestreuen. Bis dieser dann irgendwann abfällt und man sich wieder am ursprünglichen Ausgangspunkt befindet.
Was bedeutet ein positives Mindset?
Im Grunde die uns angeborene Fähigkeit, das Gute und die Chance in jeder schlechten Situation zu sehen. Klingt in der Theorie hervorragend – wenn wir aber das Gute sehen wollen, um das Schlechte nicht zu sehen, dann arbeiten wir lediglich mit dem Tool der Unterdrückung. Und ich denke dir ist bewusst, dass Unterdrückung langfristig gesehen zu einer gefährlichen Waffe werden kann; eine Waffe, die sich im innersten deines Seins befindet.

Solltest du das Geschenk und Positive in einer schlechten und schmerzvollen Situation sehen? Natürlich! Nur sollte es nicht der erste Schritt sein. Der erste Schritt sollte, obwohl es uns kollektiv abtrainiert wurde, das Fühlen selbst sein. Fühlen; das natürlichste der Welt. Einen Sturm aus Emotionen im Körper aufkommen lassen, wüten lassen. Und dann, wenn es so weit ist, auch wieder gehen lassen.

Es geht nicht darum, immer glücklich, zufrieden und ausgeglichen zu sein. Es geht darum, die ganze Palette an Emotionen zuzulassen, zu fühlen und nichts zu unterdrücken. Erlaube dir, in der Unterdrückung zu scheitern. Erlaube dir, den Widerstand gegenüber dem Scheitern loszulassen. Erlaube dir, dass die Angst vor dem Scheitern nicht grösser ist, als dein Antrieb.
Nütze die Macht deiner Gedanken nicht nur oberflächlich als Tool zur Unterdrückung – sondern arbeite in der Tiefe an deinen Schatten, Ängsten und an deinen Zweifeln – erst dann kannst du die Macht deiner Gedanken für deine Transformation nützen.

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