kein Yin ohne Yang

Vielleicht werden die nächsten Zeilen etwas ungemütlich für dich. Vielleicht konfrontieren sie dich mit einem Thema, welches dir zwar bekannt ist, du aber gekonnt von dir wegschiebst. Es geht um die Dualität des Lebens und den Umgang mit ihr.
Wenn unsere Seele sich für die Inkarnation auf dieser Erde entscheidet, dann entscheidet sie sich gleichzeitig auch für das Leben in der Dualität. Damit das Wort auch wirklich im richtigen Kontext verstanden wird, möchte ich hier gerne kurz den Duden zitieren:

Du·a·li·tät
/Dualitä́t/

Substantiv, feminin [die]
BILDUNGSSPRACHLICH
1. Zweiheit, Doppelheit; wechselseitige Zuordnung
„die Dualität von Sätzen, Axiomen“
2. MATHEMATIK
Eigenschaft zweier geometrischer Gebilde, die es gestattet, aus Kenntnissen über das eine Sätze über das andere abzuleiten

In anderen Worten ausgedrückt; das Leben ist ein Zusammenspiel von zwei verschiedenen Polen, von Gegensätzen. Bereits im 9. Jahrhundert vor Christus wurde über die Dualität der Erde geschrieben und ich bin ganz sicher, dass du eines der bekanntesten Symbole, welches genau diese Zweiheit symbolisiert, kennst.
Ja, die Rede ist von Yin und Yang. Die Yin-Yang-Philosophie besagt, dass das Universum aus konkurrierenden und komplementären Kräften von Dunkelheit und Licht, Sonne und Mond, Mann und Frau besteht. Und nun zum Knackpunkt an der ganzen Geschichte; diese Doppelheit beinhaltet nebst Freude, Glück, Liebe, Zuversicht und Energie automatisch auch die gegenteiligen Gefühle und Gemütszustände. Sie beinhaltet Gefühle, die wir Menschen am liebsten unter den Teppich kehren und nicht fühlen würden. Aber so funktioniert das Leben einfach nicht. Punkt.
Ich habe immer wieder mit Menschen zu tun, die sich zum Ziel gesetzt haben, sich von Emotionen nicht mehr unkontrolliert beeinflussen zu lassen. Sie arbeiten daran, die eigenen Gefühle unter Kontrolle zu halten. Aber warum? Was ist das Ziel dahinter, die Absicht? Ja, ich kann diese Vorgehensweise sehr gut nachvollziehen und finde den Ansatz grundsätzlich sehr interessant – aber schlussendlich ist die Frage, warum? Könnte es sein, dass man sich einfach nur von negativen Gefühlen schützen will? Dass man nicht mehr gewillt ist, negatives auszuhalten oder zu durchleben? Ist das Leben nicht lebenswerter, wenn man sich der ganzen Palette an Gefühlen und Emotionen hingibt? Wenn man fühlt, aus tiefstem und mit verwundbarem Herzen?
Es mag sein, dass man mit Hilft der Kontrolle den negativen Gefühlen bis zu einem bestimmten Punkt entkommt – aber genauso wird man auch die Liebe, Freude und Freiheit nicht mehr in gleichem Ausmass empfinden können. Leben bedeutet Dualität und das Eine funktioniert nicht ohne das Andere.

Wir Menschen haben oft die Tendenz, uns von einem Extrem ins Andere zu bewegen. In einer Welt voller Dualität ist es nicht immer möglich, ausgeglichen und gemittet zu sein. Und weisst du was, das ist okay! Dieses ständige streben nach Perfektion und Ausgeglichenheit nimmt uns die Freiheit, Mensch zu sein! Ja, Tage voller Trauer und dem Gefühl von Einsamkeit sind okay; und ja, Tage voller Glück und Zufriedenheit sind ebenso okay!

Was wir lernen sollten ist nicht, wie wir unsere Gefühle und Emotionen unter Kontrolle halten, sondern wie wir mit der Dualität in Liebe und Frieden leben können.

Schlussendlich finden wir in der Dualität die Lernaufgabe des Lebens: loslassen.

Wir müssen den Tag loslassen, um der Nacht Platz zu schaffen. Wir müssen die Sonne loslassen, um den Mond entdecken zu können. Und irgendwann, müssen wir das Leben loslassen.

Das Leben bietet uns täglich unzählige Möglichkeiten, Loslassen zu lernen und zu integrieren. Wenn du fähig bist, loszulassen, dann gibt es keinen Grund, deine Gefühle und Emotionen bewusst steuern oder unterdrücken zu wollen. Denn wenn du fähig bist, loszulassen, dann bist du auch fähig, Gefühle sowohl anzunehmen und zu durchleben, wie auch zum richtigen Zeitpunkt wieder gehen zu lassen.

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